Mike Beer M.A. – Restaurator für Ikonen
Vor der Restaurierung der Ikone
Bei der zu restaurierenden Ikone handelt es sich um eine griechische Ikone. Im Rahmen der Untersuchung konnten verschiedene Schäden festgestellt werden, die eine fachgerechte Restaurierung erforderlich machen. Zu den identifizierten Mängeln am Objekt gehören lose Holzteile, die die Stabilität des Bildträgers beeinträchtigen. Darüber hinaus weist die Ikone sowohl gelöste als auch bereits fehlende Farbbereiche auf, welche die Oberfläche und die Darstellung des sakralen Kunstwerkes schädigen können.

Die Restaurierung der Ikone
An der Ikone wurden folgende Arbeiten durchgeführt
Zum Niederlegen der dachförmigen Blasen wurde zunächst Störleim mit einem weichen Pinsel auf die zu festigenden Bereiche aufgebracht. Hierbei ist darauf zu achten, dass genügend Leim durch die Risse unter die Oberfläche gebracht wird.
Nach dem Leimauftrag wurde Japan-Papier aufgelegt. Mit einer darüberlegenden Stoffauflage wurden die gelösten Stellen und Blasen unter leichtem Druck mit einem Plätteisen bei 50 °C am Objekt niedergelegt und festgebügelt. Dieses Verfahren wurde an der gesamten Ikone angewandt. Nach ausreichender Trockenzeit wurde das Seidenpapier angefeuchtet und vorsichtig entfernt. Insgesamt waren drei Festigungszyklen notwendig um alle gelösten Beiche zu festigen.

Nach der Festigung der gelösten Gips- und Farbpartien konnte nun mit der sorgfältigen Restaurierung und dem Aufkreiden der fehlenden Fassungssegmente begonnen werden. Hierzu wurde eine speziell angemischte Mischung aus feiner Kreide, in warmem Hautleim gelöst, verwendet. Der eigentliche präzise Vorgang des Aufkreidens wurde mit einem feinen Pinsel durchgeführt, während das abschließende behutsame Egalisieren mit Wattestäbchen vorsichtig ausgeführt wurde, um die Restaurierung in diesem Schritt optimal abzuschließen.
Die Retusche der aufgekreideten Stellen wurden mit Aquarellfarben ausgeführt. Um die Abriebfestigkeit der retuschierten Bereiche zu erhöhen, wurde abschließend ein Firnis auf die retuschierten Stellen aufgebracht.
Beschreibung und Bedeutung der Ikone
Kurz: Bei der Ikone handelt es sich um eine griechische Vita-Ikone des Heiligen Panteleimon (auch bekannt als Pantaleon). Der Titel der Ikone lässt sich oben im zentralen Feld als Ο ΑΓΙΟΣ ΠΑΝΤΕΛΕΗΜΩΝ (Der Heilige Panteleimon) entziffern.
Panteleimon (gestorben um 305 n. Chr.) ist einer der bedeutendsten Heiligen der orthodoxen Kirche.
Die vorliegende Vita-Ikone zeigt im zentralen Mittelfeld eine frontale Darstellung des Heiligen Panteleimon, der als junger, bartloser Mann mit lockigem, dunklem Haar auf einem prunkvollen, goldverzierten Thron sitzt. Er ist in ein tiefrotes Obergewand gehüllt, das traditionell auf sein vergossenes Blut als christlicher Märtyrer hinweist. In seiner linken Hand hält er eine goldene Arzneibüchse, das klassische Attribut seines Berufsstandes als Arzt, während seine rechte Hand in einer segnenden Geste vor der Brust erhoben ist. Sein Haupt wird von einem schlichten, kreisförmigen Nimbus umrahmt, über dem die griechische Inschrift „Ο ΑΓΙΟΣ ΠΑНТЕЛЕΗМΩΝ“ den Heiligen als den „Allbarmherzigen“ identifiziert.
Das zentrale Bild wird von vier kleineren Szenenfeldern in den Ecken flankiert, die wichtige Stationen seiner Lebensgeschichte (Vita) illustrieren. Diese Szenen zeigen unter anderem seine religiöse Unterweisung, seine Wunderheilungen an Kranken sowie die verschiedenen Stadien seines Martyriums, das schließlich in der Enthauptung durch das Schwert mündete, welche im unteren rechten Feld dargestellt ist. Die gesamte Komposition wird von einer breiten, rötlich-braunen Randleiste eingefasst, die typisch für die griechische Ikonenmalerei ist. Das Bild weist eine altersbedingte Patina und ein feines Netz von Rissen (Craquelé) auf, wobei der nachgedunkelte Firnis den ursprünglichen Glanz der Goldakzente und die Leuchtkraft der Farben dämpft.
Viele weitere Informationen können im Ikonen Museum in Recklinghausen oder Frankfurt eingesehen werden. Ein Beitrag von Mike Beer Restaurator M.A. zur Entstehung von Ikonen findet sich hier.