Restaurierung einer russischen Ikone

Bei dem zu restaurierenden Objekt handelt es sich um eine russische Ikone der „Mutter Gottes der Fürbitte“.

Das Ikonen-Brett zeigte einen durchgehenden Bruch entlang einer vertikal verlaufenden Leimfuge. Analog hierzu war die Fassung der Ikone gebrochen und wies an verschiedenen Stellen Fehlstücke auf.

Durchgeführte Arbeiten (Restaurierung – Konservierung) an der Ikone

Zunächst wurde der an den Bruchstellen vorhandene alte Glutinleim mithilfe von warmem, destilliertem Wasser eingeweicht und anschließend vorsichtig mit einem Skalpell entfernt. Dabei musste besonders darauf geachtet werden, dass kein Wasser in die empfindliche Kreidegrundierung eindrang, um mögliche Schäden am Originalbestand zu vermeiden.

Um eine möglichst geschlossene, spannungsfreie und ebene Verleimung des Ikonenbrettes zu gewährleisten, wurden verschiedene Zulagen eingesetzt. Hierzu kamen Japan-Seidenpapier, Pappe sowie eine flexible MDF-Platte zum Einsatz, welche sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite angebracht wurden. Auf diese Weise konnte sichergestellt werden, dass die beiden Brettteile während des Verleimungsvorgangs absolut plan auflagen.

Die eigentliche Verleimung der beiden Hälften wurde anschließend mit Hautleim durchgeführt. Der notwendige seitliche Pressdruck wurde mithilfe von Leichtzwingen erzeugt, wodurch eine stabile und gleichmäßige Verbindung erzielt werden konnte.

Nach der erfolgreichen Verleimung erfolgte zunächst die Festigung noch gelöster Gips- und Farbpartien entlang der Bruchkante. Erst danach konnte mit dem Aufkreiden der fehlenden Fassungssegmente begonnen werden. Zu diesem Zweck wurde eine Kreidemischung verwendet, die in Hautleim gelöst war. Das Auftragen erfolgte schichtweise mit einem feinen Pinsel, während das abschließende Egalisieren der Oberfläche behutsam mit einem Wattestäbchen vorgenommen wurde.

Die anschließende Retusche der aufgekreideten Bereiche entlang des Bruches wurde mit Aquarellfarben ausgeführt. Dabei wurde gezielt darauf geachtet, dass die Retuschen aus normaler Betrachtungsdistanz nicht mehr wahrnehmbar sind und sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen.

Abschließend wurde zur Erhöhung der Abriebfestigkeit und zum Schutz der retuschierten Bereiche ein geeigneter Schutzfirnis aufgetragen.

Bedeutung der Ikone

Maria ist mit geneigtem Haupt dargestellt – ein Zeichen von Demut, Mitgefühl und innerer Sammlung. Die Hand an der Brust weist auf ihr hörendes, zustimmendes Herz hin („Mir geschehe nach deinem Wort“). Der goldene Hintergrund steht für die göttliche, zeitlose Wirklichkeit. Die Ikone lädt zur stillen Betrachtung und zum Gebet ein.

Was steht auf dem Banner (Schriftrolle)?
Auf der Schriftrolle sieht man kirchenslawische (altkirchliche) Schrift. Sie enthält einen lobpreisenden oder prophetischen Text, der Maria ehrt und auf ihre besondere Rolle im Heilsplan Gottes hinweist (typisch sind Bibelzitate oder Hymnen aus der orthodoxen Liturgie). Die genaue Formulierung kann je nach Ikonentyp leicht variieren, die Bedeutung ist jedoch stets geistlich-theologisch, nicht erzählend.

© Mike Beer Restaurator, Restaurierung Ikone „Mutter Gottes der Fürbitte